Die Baptisten: Fragen und Antworten

Liebe Leserin, lieber Leser!

Es ist unser Wunsch, dass dieser Text Ihnen hilft, diese Gemeinde und auch den Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) besser kennen zu lernen. Im Folgenden sprechen wir nur noch vom Bund oder Gemeindebund.

Fragen, die uns immer wieder gestellt werden - im heutigen Medienzeitalter spricht man von FAQ (Frequently Asked Questions) - haben wir aufgegriffen und beantwortet.

Sollte Ihre Frage nicht dabei sein, haben Sie ruhig Mut und sprechen Sie jemanden an (oder schreiben uns eine Mail: info[at]uferkirche.de). Es kann sein, dass der- oder diejenige Ihre Frage nicht beantworten kann, aber sicherlich ist man Ihnen gerne behilflich bei der Suche nach einem kompetenten Ansprechpartner.

Denn wir sind gerne für Sie da.
Übrigens: Mehr Informationen über unseren Gemeindebund finden Sie im Internet unter: www.baptisten.de


(FAQ) Häufig gestellte Fragen:

Was hat der Bund mit den Baptisten zu tun?
Warum Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde?



Für unsere Gemeindebewegung hat sich weltweit die Bezeichnung "Baptisten" eingebürgert (engl./griech. "Baptist": "Täufer"/"untertauchen"). In Deutschland ist es anders. 1941 hat sich der Bund der Baptistengemeinden mit den theologisch verwandten "Brüdergemeinden" zum Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden zusammengeschlossen.
Die Zusammenarbeit hat sich bewährt, und der Name wurde beibehalten. Etwa 90 Prozent der 86.500 Mitglieder in rund 860 Gemeinden (und Zweiggemeinden) unserer Gemeindebewegung sind Baptisten, die übrigen Angehörige der Brüderbewegung.
Der BEFG gehört zur Europäischen Baptistischen Föderation (EBF) und zum Baptistischen Weltbund (BWA), der mit 43 Millionen Mitgliedern und 100 Millionen Angehörigen größten protestantischen Kirche weltweit. Der BEFG bildet die größte evangelische Freikirche in Deutschland.
Aber es gibt darüber hinaus auch Baptisten- und Brüdergemeinden, die dem BEFG nicht angehören.


Was ist eine Freikirche?


Freikirchlich hat in unserem Gemeindebund eine vielfache Zielrichtung:

Wir sind weder historisch noch rechtlich mit dem Staat verbunden. Wir treten für eine strikte Trennung von Kirche und Staat ein. Was jetzt allerdings nicht bedeutet, das wir den Staat ganz ablehnen. Wo wir allerdings Leistungen für die Gesellschaft erbringen - in Kindergärten, Krankenhäusern, Altenheimen, u.ä. - werden uns diese Kosten von der öffentlichen Hand zum größten Teil erstattet.

Aber auch die Mitgliedschaft in einer Gemeinde wird freiwillig eingegangen. An Jesus Christus gläubig gewordene Menschen, die getauft wurden, können beitreten. Wie in allen anderen Kirchen wird in unserem Bund ausschließlich die Bibel als Grundlage des Glaubens anerkannt. Deshalb dürfen Freikirchen keineswegs mit Sekten verwechselt werden.


Worin unterschieden sich Baptisten von anderen Kirchen?


Die Baptisten unterscheiden sich von anderen (Landes-) Kirchen durch ihre Taufpraxis und ihr Gemeindeverständnis.

Die Gemeinden sind relativ überschaubar, da sie nur aus getauften Mitgliedern bestehen. Dadurch entsteht oft eine familiäre Atmosphäre.

Die Gottesdienste sind offen für Gäste. Einzelne Gemeinde bieten sogar besondere Gottesdienste für Kirchendistanzierte an. Diese Veranstaltungen zeichnen sich aus durch moderne Musik, lebensbezogene Predigten, kleine Theaterstücke und ähnliches. Viele dieser Elemente sind aber auch in "normalen" Sonntagsgottesdiensten üblich geworden.


Was glauben Baptisten?


Die Baptisten sind evangelische Christen, die sich allein auf die Bibel als Grundlage ihres Glaubens berufen.

Sie verbindet untereinander und mit Christen anderer Konfessionen der persönliche Glaube an Jesus Christus. Die Gemeindemitglieder vertrauen darauf, daß Gott sie durch den Heiligen Geist zum rechten Verstehen der Bibel und zum Tun seines Willens leitet. Sie versuchen, in ihrem persönlichen Leben Christus nachzufolgen und die Liebe Gottes in dieser Welt erfahrbar zu machen.

Baptisten legen Wert auf die Gemeinde, weil sie die Überzeugung teilen, dass Christen einander auf dem Weg des Glaubens helfen und miteinander den Menschen dienen sollten.

Wie andere Freikirchen auch legen die Baptisten Wert auf eine bewußte und mündige Glaubensentscheidung als Grundlage für eine Gemeindemitgliedschaft. Von Getauften wird erwartet, dass sie sich mit ihren Gaben und Möglichkeiten in die Gemeinde einbringen und gemeinsam mit anderen Christen die Liebe Gottes für alle Menschen erfahrbar machen.

Der Baptismus waren von Anfang an eine Bibelbewegung. Die Sonntagschulen/Kindergottesdienste haben das Ziel, den Kindern biblische Geschichten nahezubringen. Ähnliches gilt für die Bibelstunden der Erwachsenen und die Hauskreise. Im Gottesdienst steht die Predigt anhand eines Bibeltextes im Mittelpunkt. Die Auslegung der Bibel soll die Gläubigen dazu führen, ihr Leben nach den Maßstäben Gottes auszurichten.

Die Glaubenstaufe gab den Baptisten ihren Namen. Trotzdem ist die Taufe nicht das Wichtigste in der Gemeinde und sie ist nicht gleichbedeutend mit der Bekehrung. Vielmehr geht bei Baptisten der Glaube der Taufe voraus. Eine Säuglingstaufe wird bei den Baptisten abgelehnt.


Stimmt es, dass es im Bund keine Kirchensteuern gibt?


Ja. Das Prinzip der Trennung von Kirche und Staat führt dazu, dass der Bund keine Kirchensteuern erhebt - obwohl er als Körperschaft des öffentlichen Rechts (KdöR) dies könnte.

Stattdessen werden alle Kosten durch freiwillige Mitgliederbeiträge und Spenden bestritten. Die Gemeinden bezahlen auch ihre Pastoren selbst. Die einzelnen Gemeinden sind gegenüber dem Bund eigenständig. Sie finanzieren und verwalten sich selbst.

Das durchschnittliche jährliche Spendenaufkommen liegt im gesamten Bund bei rund 70 Millionen Euro. Mitglieder spenden also in der Regel wesentlich mehr als ihre Kirchensteuer betragen würde. Was man liebt, das kommt zuerst. Viele Mitglieder geben deshalb den sogenannten "Zehnten", also den zehnten Teil ihres Einkommens.


Warum trägt der Pastor/die Pastorin keinen Talar?
Wer darf in der Gemeinde was machen?



Die Gemeinden unseres Bundes orientieren sich an den ersten frühchristlichen Gemeinden, über die die Bibel berichtet. Wer sich zu Jesus Christus bekannte, konnte in dieser Gemeinschaft mitarbeiten. Diesem auch als "allgemeines Priestertum aller Gläubigen" benannten Prinzip weiß sich der Bund verpflichtet. Es gibt deshalb, nach baptistischem Verständnis, keine Aufgabe und kirchliche Handlung, die allein besonderen Amtsträgern vorbehalten wäre. Auch an der Gottesdienstgestaltung - bis hin zur Predigt - sind Laien beteiligt. Manche Gemeindemitglieder wissen sich von Gott in den hauptamtlichen Dienst berufen. Sie studieren Theologie und arbeiten dann als Patorinnen oder Pastoren. Dabei tragen sie jedoch meist keine besondere Amtstracht, etwa einen Talar, wie in anderen Kirchen. Dadurch zeigen sie: Jeder ist von Gott zum Dienst in der Gemeinde berufen. Eine Ausnahme dieser "Talarregel" bilden Taufen und Beerdigungen.


Warum werden keine Säuglinge getauft?


Die Gemeinden in unserem Bund orientieren sich an der Bibel. Immer wenn die Heilige Schrift von einer Taufe berichtet, sind die Menschen zuvor an Jesus Christus gläubig geworden. Erst der Glaube, dann die Taufe, dann die Gemeindemitgliedschaft - dies ist nach unserer Überzeugung die richtige biblische Reihenfolge. Die Kindertaufe wird deshalb nicht praktiziert. Wer dennoch an der Gültigkeit seiner Kindertaufe festhält, ist in unseren Gemeinden als Freund oder Freundin gerne gesehen.


Gibt es im Bund auch andere Organisationen?


Wir sind eine bunte Gemeindebewegung. Zu uns gehören rund 860 Gemeinden und zahlreiche diakonische Einrichtungen. Freikirchliche Diakoniewerke unterhalten Krankenhäuser, Altenheime, Therapieeinrichtungen zur Überwindung von Süchten sowie Sozialstationen, Gemeinden betreiben Kindergärten und Beratungsstellen.

Ein Bildungszentrum in Elstal bei Berlin dient zur Ausbildung der Pastorinnen und Pastoren, aber auch der ehrenamtlichen Mitarbeiter für die Gemeindearbeit.
Ein bundesweit tätiges "Gemeindejugendwerk" (GJW) kümmert sich um Kinder und Jugendliche,
die "Europäische Baptistische Mission" (EBM) engagiert sich in der Weltmission, vor allem in Südamerika und in Afrika.
Die "Heimatmission" unterstützt die Gründung neuer Gemeinden in Deutschland.
Die "Osteuropa-Hilfe" sorgt dafür, dass Notleidenden im früheren Ostblock materiell und geistlich geholfen wird.
Zum Bund gehört auch eine Bank, ein Frauenwerk und viele andere Organisationen, in denen Menschen ihren Glauben leben. Der "Onken-Verlag" ist dem Bund nahestehend.

Traditionell engagieren sich die Baptisten weltweit auch stark für Menschenrechte und Religionsfreiheit.


Wer steht eigentlich an der Spitze der Freikirche / des Bundes?


Entscheidungen in unserem Bund werden von der Gemeindeversammlung vor Ort gefällt. Jedes Mitglied hat Mitbestimmungsrecht. Die Gemeinden sind in Lehre, Verwaltung und Finanzierung unabhängig vom Bund. So ist jede Gemeinde für ihre Belange zuständig und organsiert ihre Anliegen selbständig. In der Gemeinde ist die Versammlung der Mitglieder (Gemeindestunde) das höchste Entscheidungsgremium. Hier werden Grundsatzentscheidungen (Finanzen, Personal, Ziele u.a.) getroffen. Eine gewählte Gemeindeleitung (manchmal auch Vorstand, Älteste und Diakone, Leitungskreis o.ä. genannt) führt die operativen Aufgaben aus.

Die Gemeinden sind in regionalen (Landes-)Verbänden (ehemals "Vereinigungen") und im BEFG zusammengeschlossen, weil sich manche Aufgaben gemeinsam besser erledigen lassen, wie der Betrieb des Bildungszentrums Elstal für haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen oder missionarische Projekte. Deshalb haben sich die Gemeinden freiwillig zum BEFG zusammengeschlossen. Führungsgremium ist das Präsidium mit einem Präsidenten und einem Generalsekretär an der Spitze. Sie vertreten den BEFG rechtlich und nach außen. Alle Entscheidungen werden dem (mindestens) einmal jährlich tagenden "Bundesrat", der Vertreterversammlung der Gemeinden und Werke, zur Abstimmung vorgelegt. Dort gefasste Beschlüsse werden als Empfehlungen an die Gemeinden weitergeleitet.

Die Geschäftsstelle des Bundes ist das Bundesmissionshaus, das auch in Elstal angesiedelt ist. Die Generalsekretärin und ein kleiner Mitarbeiterstab sorgen dafür, dass die Gemeinden untereinander vernetzt bleiben und sich gegenseitig unterstützen.


Wie ist es mit dem Kontakt zu anderen Kirchen?


Der BEFG unterhält freundschaftliche Kontakte zu fast allen christlichen Kirchen in Deutschland und gehört zu den Wegbereitern der Ökumene in Deutschland.

So ist er Gründungsmitglied in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK).
Enge Kontakte gibt es im evangelischen Bereich auch zur evangelischen Landeskirche (EKD) und ihren Gliedkirchen.
Darüber hinaus engagiert der Bund sich in der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF), in der die meisten Freikirchen in Deutschland zusammengeschlossen sind (seit 1926).
Gute Kontakte gibt es auch zur Deutschen Evangelischen Allianz und der Lausanner Bewegung für Weltevangelisation/Deutscher Zweig.
Auch in überkonfessionellen Initiativen arbeiten Baptisten verantwortlich mit, etwa bei ProChrist, der Willow-Creek-Bewegung und beim "Jahr der Bibel".


Wie ist der Gemeindebund entstanden?


Die geschichtlichen Wurzeln des Bundes liegen im 16.Jahrhundert. Damals entstand die Täuferbewegung. Tausende Christen erkannten damals durch das Lesen der Bibel, dass die christliche Gemeinde aus an Christus glaubenden Menschen bestehen sollte. Diese Erkenntnis war revolutionär - und wurde von der kirchlichen und weltlichen Obrigkeit strikt abgelehnt, die Täufer blutig verfolgt.

Im 17.Jahrhundert kam es erneut zur Gründung täuferisch gesinnter Kreise in Holland und England. Sie wurden zur Ausreise nach Amerika gedrängt. Den Namen "Baptisten" erhielten sie von Gegnern, weil sie aufgrund ihres Bibelverständnisses die Kindertaufe als unbiblisch ablehnten.Statt dessen traten die Baptisten von Anfang an dafür ein, dass jeder Mensch frei entscheiden solle, ob er als Christ und Mitglied einer Kirche leben wolle. Die Taufe verstehen sie gemäß dem biblischen Vorbild als Ausdruck einer bewußten Entscheidung eines Menschen für den Glauben und die Mitgliedschaft in einer Gemeinde. Sie wird durch Untertauchen praktiziert.

1611 wurde in London die erste Baptistengemeinde gegründet. Aber erst durch die Erweckungsbewegung des 18. Jahrhunderts konnte sich der Baptismus in Großbritannien etablieren und wurde die grösste Freikirche des Landes. Der bekannteste englische Baptist war C. H. Spurgeon, ein beliebterPrediger und Leiter der größten Baptistengemeinde in London.

Die erste Baptistengemeinde auf deutschem Boden entstand 1834, als sich der Kaufmann Johann Gerhard Oncken (1800-1884) mit sechs Freunden in Hamburg in der Elbe von einem baptistischen Theologen aus den USA taufen ließ. In Großbritannien hatte Oncken gläubige Christen kennengelernt und war in London zum Glauben gekommen. 1823 trennte sich Oncken vom Kaufmannsgeschäft und wurde Missionar in seinem Heimatland Deutschland. Dort verbreitete er Bibeln und Traktate, besonders in Hamburg und Umgebung. Schon nach wenigen Wochen fanden sich Hunderte von Zuhörern zu seinen Predigten ein. Spätestens bei der Geburt von Onckens erster Tochter stellte sich die Frage nach Gemeinde und Taufe. Durch intensives Bibelstudium kam er zur Überzeugung von der Glaubenstaufe, so lies er sich im April 1834 in der Elbe taufen. Einen Tag später wurde die erste deutsche Baptistengemeinde gegründet.Von Hamburg aus breitete sich die Bewegung in wenigen Jahrzehnten über ganz Deutschland und Europa aus.

Die Ende des 19.Jahrhunderts in Irland und England entstandene Brüderbewegung fasste 1852 in Deutschland Fuß. Treibende Kraft war der Lehrer Carl Brockhaus in Elberfeld (heute Wuppertal), der die wortgetreue "Elberfelder Übersetzung" der Bibel veröffentlichte.

1941 vereinigten sich der Bund der Baptistengemeinden und die Brüderbewegung in Deutschland zum Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG). Durch die Gründung der DDR kam es zur Trennung des Bundes in einem Ost- und Westbereich. 1991 wurden die beiden Bünde wiedervereinigt.

Auch die EFG Marburg blickt schon auf eine über 160jährige Geschichte zurück.

Baptisten sind - weltweit gesehen - die größte evangelische Kirche. Besonders stark verbreitet sind sie in den USA und in Rußland, aber auch in Teilen Afrikas und Asiens. Die meisten Baptisten gibt es heute in den USA. Erster Baptist in Amerika war Roger Williams (1604-83), der Gründer des Staates Rhode Island. Heute zählt man in den USA über 25 Millionen Baptisten. Dazu zählen ca. 10 Millionen schwarze Baptisten. Ihr bekanntester Vertreter war der Baptistenprediger und Bürgerrechtler Dr. Martin Luther King.



Hinweis:

Dieser Text orientiert sich in weiten Teilen an dem Faltblatt "Sie sind herzlich eingeladen. Lernen Sie eine Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde kennen" die herausgegeben wird vom Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden und an Texten vom Internetauftritt des BEFG;
Internet: www.baptisten.de
e-mail: info[at]baptisten.de

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